„Im Süden bleibt mehr netto übrig" — diese Aussage hört man oft. Stimmt sie? Wir haben für alle 16 Bundesländer mit identischen Annahmen (4.000 € brutto/Monat, Steuerklasse 1, kinderlos, gesetzlich krankenversichert) das Nettogehalt 2026 berechnet. Das Ergebnis: Der Unterschied ist real, aber klein. Zwischen dem höchsten Netto (Baden-Württemberg, 2.564 €) und dem niedrigsten (Sachsen, 2.545 €) liegen nur rund 19 € im Monat. Und für alle, die keiner Kirche angehören, schrumpft der Unterschied auf praktisch null.
Ø Netto: 2.558 €/Monat
| Bundesland | Netto/Monat | Differenz Ø | KiSt |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 2.564 € | +5 € | 8 % |
| Bayern | 2.564 € | +5 € | 8 % |
| Berlin | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Brandenburg | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Bremen | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Hamburg | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Hessen | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Niedersachsen | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Nordrhein-Westfalen | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Rheinland-Pfalz | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Saarland | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Sachsen-Anhalt | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Schleswig-Holstein | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Thüringen | 2.558 € | 0 € | 9 % |
| Sachsen | 2.545 € | -13 € | 9 % |
Modellrechnung: 4.000 € brutto/Monat, Steuerklasse 1, kinderlos, GKV (Zusatzbeitrag 2,9 %). Berechnet mit der validierten Engine von BruttoNetto-Online.de · Stand 06/2026.
Warum unterscheidet sich das Netto überhaupt?
Lohnsteuer (§ 32a EStG), Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung sind bundesweit einheitlich geregelt. Wer in Hamburg, München oder Leipzig dasselbe verdient, zahlt grundsätzlich dieselbe Lohnsteuer und dieselben Sozialbeiträge. Es bleiben nur zwei Stellschrauben, die das Netto je nach Bundesland verändern:
- Kirchensteuer: In Bayern und Baden-Württemberg beträgt sie 8 % der Lohnsteuer, in den übrigen 14 Ländern 9 %. Das wirkt sich nur auf Kirchenmitglieder aus. Bei unserer Modellrechnung macht das zwischen Süd und Nord lediglich rund 5 € im Monat aus. Mehr dazu im Ratgeber Kirchensteuer 2026.
- Pflegeversicherung in Sachsen: Sachsen ist das einzige Bundesland, in dem Arbeitnehmer einen höheren Anteil tragen (§ 55 SGB XI) — weil dort der Buß- und Bettag als Feiertag erhalten blieb. Das kostet rund 20 € netto im Monat. Details im Pflegeversicherung-Ratgeber.
Schalten Sie in der Karte oben auf „Ohne Kirchensteuer" um: Das Netto ist dann in 15 von 16 Ländern centgenau identisch — nur Sachsen bleibt wegen des Pflegebeitrags rund 14 € darunter. Der vermeintlich große „Steuervorteil" einzelner Bundesländer ist also vor allem eine Frage der Kirchenmitgliedschaft, nicht des Wohnorts.
Wer das für sein eigenes Gehalt nachrechnen möchte, nutzt den Brutto-Netto-Rechner oder die Bundesland-Seiten wie Baden-Württemberg und Sachsen.
Methodik & Transparenz
- Annahmen: 4.000 € brutto/Monat · Steuerklasse 1 · kinderlos · gesetzlich krankenversichert (GKV)
- Krankenkassen-Zusatzbeitrag: 2,9 % (durchschnittlicher Wert 2026)
- Datengrundlage: Beitragssätze, Beitragsbemessungsgrenzen und Einkommensteuertarif 2026
- Berechnung: validierte Engine von BruttoNetto-Online.de, geprüft an realen Gehaltsabrechnungen — siehe Methodik
- Stand: 28.06.2026
Daten frei verwendbar — mit Quellenangabe
Diese Daten und Grafiken stehen unter CC BY 4.0 zur freien Verfügung — für Artikel, Blogs und Präsentationen. Einzige Bedingung: Bitte nennen Sie als Quelle BruttoNetto-Online.de und setzen Sie nach Möglichkeit einen Link auf diese Seite.
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Unterscheidet sich das Nettogehalt wirklich je nach Bundesland?
Ja, aber nur geringfügig. Lohnsteuer und Sozialversicherung sind bundeseinheitlich geregelt. Echte Unterschiede entstehen nur durch den Kirchensteuersatz (8 % in Bayern und Baden-Württemberg, 9 % sonst) und durch den etwas höheren Pflegeversicherungsbeitrag in Sachsen. Bei 4.000 € brutto in Steuerklasse 1 beträgt die Spanne zwischen dem höchsten und niedrigsten Netto nur rund 19 € im Monat.
In welchem Bundesland bleibt am meisten netto übrig?
Mit Kirchensteuer bleibt in Baden-Württemberg mit 2.564 €/Monat am meisten übrig — wegen des niedrigeren Kirchensteuersatzes von 8 %. Am niedrigsten ist das Netto in Sachsen (2.545 €/Monat). Wer keiner Kirche angehört, hat in 15 der 16 Bundesländer exakt dasselbe Netto.
Warum hat Sachsen ein niedrigeres Nettogehalt?
In Sachsen tragen Arbeitnehmer einen um 0,5 Prozentpunkte höheren Anteil an der Pflegeversicherung, weil dort der Buß- und Bettag als Feiertag erhalten blieb (§ 55 SGB XI). Das senkt das Netto um etwa 20 € im Monat gegenüber den übrigen Ländern — unabhängig von der Kirchensteuer.
Was passiert mit dem Unterschied ohne Kirchensteuer?
Er verschwindet fast vollständig. Ohne Kirchenmitgliedschaft ist das Netto in 15 Bundesländern identisch. Nur Sachsen bleibt wegen des Pflegebeitrags um rund 14 €/Monat darunter. Die oft gehörte Aussage „im Süden bleibt mehr netto" trifft also fast nur auf Kirchenmitglieder zu.
Welche Annahmen liegen den Werten zugrunde?
Allen Werten liegt dieselbe Modellrechnung zugrunde: 4.000 € brutto pro Monat, Steuerklasse 1, kinderlos, gesetzlich krankenversichert mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag (2,9 %), Beitragssätze und Tarif 2026. Berechnet mit der an realen Gehaltsabrechnungen geprüften Engine von BruttoNetto-Online.de.
Quellen: § 32a EStG (Einkommensteuertarif), § 55 SGB XI (Pflegeversicherung, Sachsen-Sonderregel), Kirchensteuergesetze der Bundesländer (8 % BY/BW, 9 % übrige). Beitragssätze und Bemessungsgrenzen 2026. Stand 28.06.2026.